Wieviel ist der Gesellschaft die Pflege wert?

Frederik Werning begleitet Frühschicht im St. Josef-Stift

Sendenhorst. Kurz vor 6 Uhr stand er pünktlich auf der Matte, um seinen Dienst auf der Station B5 anzutreten. In der Frühschicht begleitete SPD-Landtagskandidat Frederik Werning die Gesundheits- und Krankenpflegerin Steffi Hanke, die im St. Josef-Stift Menschen mit Wirbelsäulenbeschwerden pflegt. Nachhaltigen Eindruck hinterließ bei ihm, mit wieviel Ruhe und Empathie Steffi Hanke auf ihre Patienten einging. „Ich habe den Eindruck, dass die positive Rückkopplung der Patientinnen und Patienten viel zurück gibt“, so Werning.

Menschen zu helfen, die sich mit ihren Schmerzen in einer Ausnahmesituation befinden, ist auch für Steffi Hanke der Kern ihres Berufs. Seit 25 Jahren arbeitet sie in der Pflege, war in unterschiedlichen Pflegebereichen tätig, wechselte zwischenzeitlich sogar den Beruf und lernte Bürokauffrau. Seit 2015 ist sie im St. Josef-Stift und sagt: „Die Pflege ist ein schöner Beruf, und ich könnte mir für mich nichts anderes vorstellen.“ Einen Wunsch hat sie aber doch: „Ich finde, der Beruf sollte attraktiver gemacht werden, damit sich auch junge Leute für die Pflege entscheiden.“

„Mehr Menschen ins System bringen“ – das ist das erklärte Ziel von Frederik Werning. Mehr Menschen, auf deren Schultern die Verantwortung der Pflege gleichmäßiger verteilt werden kann, denn Pflege ist 24/7 an 365 Tagen im Jahr im Einsatz. Im Gespräch wurde aber auch deutlich, dass eine höhere Vergütung kein Allheilmittel ist, sondern junge Menschen flexiblere Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine gute Work-Life-Balance möchten. Auch lebenslanges Lernen mit guter Fort- und Weiterbildung sei wichtig, ergänzte Dariusz Mackiewicz, Leitung der Station B5.

„Was sind wir als Gesellschaft bereit, für gute Rahmenbedingungen in der Pflege zu zahlen?“, blieb als Kernfrage des Gedankenaustauschs im St. Josef-Stift. Durch die Coronapandemie sei vor allem die starke Belastung der Intensivpflege in den öffentlichen Fokus gerückt. „Ich halte es für wichtig, dass auch die Pflege auf den Normalstationen und in allen anderen Bereichen gesehen wird“, so Pflegedirektor Niklas Wiechert. „Wir müssen es als Pflege schaffen, gemeinsam stark aufzutreten und ein politisches Schwergewicht zu werden.“